| Aufruf der Kinder |
anlässlich des 10. Jahrestags der Konvention der Rechte des Kindes
Genf, 20. November 1999
Wir sind 86 Kinder in 37 Delegationen und kommen aus 24 Ländern. Wir vertreten Kinder aus der ganzen Welt, die wir kennen und mit denen wir dieses Treffen intensiv vorbereitet haben. Wir denken besonders an diejenigen, die wegen der Situation, in der sie leben, nicht kommen konnten. Wir findern es sehr wichtig, dass alle Kinder sich treffen und einander Dinge beibringen können. Dies muss ihnen ermöglicht werden.
Viele sagen, die Kinder seien die Zukunft. Wenn Jeder dies wirklich glaubte, dann gäbe es weniger Elend, ja überhaupt kein Elend mehr. Heute ist die Bekämpfung des Elends das Allerwichtigste.
In manchen Ländern waren wir in diesen letzten zehn Jahren vom Krieg umgeben. Viele Kinder haben ihren Vater verloren. Unglück und Armut sind in die Häuser eingekehrt. Für uns ist das sehr hart, aber die Flüchtlinge haben noch mehr Probleme. Es gibt Kinder, die keine Eltern und kein Haus mehr haben.
Es gibt Kinder, die nicht zur Schule gehen. Sie sind immer auf der Strasse und manchmal sieht man, wie sie die Leute um Geld bitten. Für uns Kinder, die jeden Tag da sind, ist es sehr schwer, das mitanzusehen.
Manche von uns leben in sehr armen Vierteln, wo viele Drogen verkauft werden. Leute kommen dahin, um Drogen zu nehmen. Sie tun dies vor den Kindern, und die Kinder haben Angst. Sie haben auch Angst, sich an den weggeworfenen Spritzen zu stechen. Die Eltern haben Angst für sich und für die Kinder: es ist sehr gefährlich geworden. Allzuviele Kinder leben im Elend. Wegen diesem Elend sind sie im Leben und in der Welt verloren.
Das Wichtigste für uns ist die Familie. Ohne Familie kann man nicht leben, nicht wachsen. Aber ohne Freundschaft im Haus und in der Gemeinschaft kann die Familie nicht leben. Wenn keine Freundschaft da ist, gibt es kein Leben.
Es gibt immer noch Familien, die vertrieben werden oder gezwungen sind, sich zu verstecken, allein und ohne Freunde. Dabei gehören Erde und Sonne doch allen!
Alle Kinder müssen ein Haus haben und bei ihrer Familie wohnen, es sollen keine Kinder mehr auf der Strasse leben. Die Kinder auf der Strasse leiden sehr. Deshalb muss man alles tun, damit die Kinder mit ihren Eltern leben.
Manche Väter haben kein Geld, um ihre Familie zu unterhalten. Sie gehen weit weg, auf der Suche, wie sie sie ernähren können. Manchmal kommen sie nicht zurück, weil sie nichts gefunden haben, und dann werfen ihnen die Leute vor, sie würden ihre Kinder nicht lieben. Aber diese Leute wissen nicht, dass die Eltern ihre Kinder aus ganzem Herzen lieben.
Alle Eltern möchten ihre Kinder zur Schule schicken, aber manche können es nicht, weil sie kein Geld haben. Sie sind gezwungen, ihr Kind arbeiten zu lassen, damit die Familie leben kann und damit die Kleinen zur Schule gehen können. Die Eltern tun schon viel und wir können ihnen helfen. Wir kennen Kinder wie Augustine, die jeden Morgen vor der Schule ihre Mutter zum Verkaufen auf den Markt begleitet. Sie kommt jeden Tag zu spät zur Schule. Nach der Schule geht sie wieder verkaufen, oft mit leerem Magen.
Wir möchten sagen, dass die Welt besser wäre, wenn alle Familien glücklich wären und einander helfen würden. Wir wollen, dass unsere Väter und Mütter glücklich sind.
"Bitte, die Grossen sollen uns helfen."
Wir Kinder müssen einander ganz fest bei der Hand halten und Respekt verlangen, und auch das Recht auf Frieden und Freundschaft, das Recht auf ein normales Leben. Wir wollen, dass die Phantasie frei wie eine Friedenstaube fliegt und dass das, was wir erträumen, Wirklichkeit wird.
Wir möchten, dass alle Kinder sich zusammenschliessen, damit kein Kind mehr im Elend versinkt.
Alle Kinder sollten Orte wie unsere Tapori-Gruppen haben, wo wir uns treffen und gemeinsam Dinge unternehmen, auch wenn unser Leben verschieden ist. Wenn man sich Zeit nimmt, einander kennenzulernern, kann man Freunde sein und so auch mehr Kraft haben.
Wir denken, dass jedermann die gleichen Chancen haben müsste. Etwas, das jeder absolut verdient, ist Schutz. Das weckt unsere Liebe und gibt uns Hoffnung und Mut, um weiterzumachen.
Wir denken, dass alle Kinder kostenlos in die Schule gehen und lernen können sollten. Und wenn sie lesen und schreiben können, bekommen sie auch Lust, einen Beruf zu lernen, der es ihnen ermöglicht, ihre Familie aus dem Elend herauszufüren. Aber damit ein Kind lernen kann, muss es geachtet werden, man darf sich nicht über es oder seine Familie lustig machen. Die Erwachsenen müssen es den Kindern ermöglichen, einander zu achten und sich gegenseitig zu helfen. Jedermann muss mit anpacken. Die Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen das Notwendige für ihr Leben beibringen.
Es ist wichtig, dass die Eltern Arbeit haben, um ihren Kindern zu helfen, damit sie gut aufwachsen und eine gute Erziehung bekommen.
Wir wünschen, dass die Kinder bei manchen Arbeiten mithelfen, aber dass dies keine schwere Arbeit ist, die ihre Kräfte übersteigt.
Alle Kinder müssen die Möglichkeit haben zu spielen, selbst wenn es ihnen an Vielem fehlt. Sie spielen gern. In der Schule haben wir die Möglichkeit, mit andern Kindern zu spielen. Miteinander zu spielen ist sehr wichtig, um die Achtung für die andern Kinder und für die Erwachsenen zu lehren. Wir verlangen, dass man sich um all dies kümmert für alle Kinder der Welt.
Man muss NEIN sagen zur Gewalt. Man muss alles tun, um in der Familie und in der Welt den Frieden zu bewahren. Das Wichtigste ist, dass keine Waffen mehr verkauft werden, die Kinder wollen in Frieden leben. Und wenn wir Frieden haben, haben wir auch Freunde.
Wir möchten, dass die Mienen sich in Schuhe verwandeln. Wir möchten, dass die Kugeln sich in Bonbons verwandeln und die Gewehre in Traktoren.
Wir haben keine Lösungen, aber wir wollen, dass jedermann die Lage der Kinder, die Schwierigkeiten haben, kennt, damit sie sich nicht mehr allein fühlen, und damit am Ende eine Lösung gefunden wird, um ihr Leben zu verbessern. Wir bitten die Vereinten Nationen, die armen Kinder kennenzulernen und von ihnen zu erfahren, was sie mit ihren Freunden bereits unternehmen, um Dinge zu ändern.
Wir Tapori wollen die Freunde von allen sein. Es ist wichtig, die Kräfte zu vereinen, damit die Welt sich verändert und gerechter wird für die Leidenden. Wenn Jeder die Leute überzeugen kann, an Tapori und an die neue Generation zu glauben, dann wird die Welt besser sein.
Bitte, die Grossen sollen uns beim Aufbau dieser Welt helfen!







